Investoren zweifeln am Status des Goldes als sicherer Hafen. In den vergangenen Jahren hat die Volatilität des Edelmetalls drastisch zugenommen. Das ist auf das gestiegene Interesse zurückzuführen. Zu Beginn des letzten Jahrzehnts war Gold nach zwanzig Jahren Baisse ein Investment für Exoten, die nicht an die Unsterblichkeit des neuen Finanz- und Wirtschaftssystems glauben wollten. Weiterlesen
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Italien-Schock: Analysten rechnen mit steigendem Goldpreis
Die Italien-Krise könnte das Interesse vieler Investoren an Gold verstärken. Davon jedenfalls gehen viele Analysten aus. Nach einer zwischenzeitlichen Korrektur kämpft der Markt nun mit der Marke von 1800 US-Dollar je Feinunze. In Euro notiert der Kurs rund 75 Euro unter seinem Allzeithoch. Weiterlesen
Aktionärsschützer: Gold riskanter als Aktien
Gold ist begehrt, weil die Märkte von Angst dominiert werden. Im Angesicht der Schuldenkrise vergessen manche Anleger offenbar, dass Edelmetallinvestments mit beträchtlichen Risiken verbunden sind. Experten warnen vor einer Blasenbildung, die viele Anleger teuer zu stehen kommen könnte.
Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitzt (DSW), zeigt sich angesichts der anhaltenden Euphorie um das gelbe Edelmetall skeptisch. „Wer einsteigt, macht sich von den aktuellen politischen Entscheidungen abhängig“. Ein Engagement in Gold könne derzeit riskanter sein als ein Aktien-Investment, mein Tüngler und gibt zu bedenken: „Das ist vielleicht die größte Blase der Welt“.
Einige Experten vergleichen die Situation sogar mit der Kursblase am Neuen Markt zur Jahrtausendwende. Schnigge-Händler Niklas Breckling geht davon aus, dass der Markt längst von Spekulanten dominiert wird. Privatanleger könnten mit einem Einstieg zum aktuellen Kursniveau ähnlichen Schiffbruch erleiden wie Aktionäre einst in der New-Economy-Bubble.
Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW tritt ebenfalls auf die Euphorie-Bremse. „Die Sicherheit mit Gold im Depot oder Safe ist vor allem gefühlt“. Ein Blick in die Vergangenheit belegt tatsächlich, dass Anleger starke Verluste erleiden und Jahrzehnte warten mussten, bis sich der Markt wieder erholt hatte. Wer 1980 investierte, musste 25 Jahre warten, bis die Verluste zumindest nominal wieder aufgeholt waren. Auch derzeit ist der Markt wieder auf einem hohen Niveau – ausgeschlossen sind deutlich nachgebende Notierungen deshalb nicht.
„Finanztest“ hat ermittelt, dass die durchschnittliche jährliche Rendite von Gold in den letzten 30 Jahren mit 3 bis 4 Prozent deutlich unter der des deutschen Rentenmarktes (knapp 7 Prozent) gelegen hat. Das liegt auch daran, dass Gold keine Zinsen. Dividenden oder sonstigen Erträge abwirft. Gewinne sind nur mit Wertsteigerungen zu erzielen, von denen vor allem Kleinanleger vergleichsweise hohe Kosten abziehen müssen.
Anlageexperten weisen schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass Gold eher als Versicherung und weniger als Investment interpretiert werden müsse. Eine Versicherung ist ein gutes Geschäft, wenn es zum Schadenfall kommt, kostet aber ansonsten Geld, ohne dass eine Gegenleistung (abgesehen von dem Gefühl der Sicherheit) erbracht wird.
Andererseits befindet sich die europäische Gemeinschaftswährung in der größten Krise ihrer Geschichte. Gleichzeitig leiden fast alle großen Industrienationen unter einer sehr hohen und nahc wie vor steigenden Verschuldung. Parallel dazu verlieren stabilitätsorientierte Instanzen, wie einst die Bundesbank und die heutige EZB, an Einfluss. Ob Gold mehr Chancen oder mehr Risiken beinhaltet, ist deshalb noch lange nicht geklärt.
Droht nach dem Goldrausch der Kater? Risiken der Hausse
Die Goldhausse könnte sich in einem weitaus späteren Stadium befinden, als es der Markt vermutet. Mit diesem Szenario beschäftigt sich jedenfalls das „Handelsblatt“. Im Kern lautet die These in einem der wenigen skeptischen Artikel zum Thema: Zu viele Optimisten und Spekulanten, zu viel Liquidität und zu wenig fundamentale Substanz bereiten den Nährboden für eine platzende Blase am Goldmarkt.
Im Handelsblatt-Artikel äußern sich 5 Experten zum Goldmarkt und zeigen Gründe auf, die für eine bereits erfolgte Überhitzung und eine bevorstehende Korrektur oder gar Trendwende sprechen. Ein Rohstoffanalyst der Commerzbank sieht in der überwältigenden Mehrheit der Optimisten am Markt ein großes Risiko. „Bei einem Preis von 250, 500 oder auch noch 1 000 Dollar gab es kaum Optimisten. Heute treffen sie keinen mehr, der skeptisch ist“, sagt Eugen Weinberg.
Die Skepsis hinsichtlich der Mehrheit im Bullenlager geht auf alte Erkenntnisse zurück. Marktteilnehmer, die sich optimistisch äußern, sind demnach bereits investiert. Weiter steigende Kurse erfordern jedoch zusätzliches Geld. Wenn alle schon investiert sind, kommt es zu einem Mangel al Kaufaufträgen und bald darauf zu fallenden Notierungen.
Dass gilt umso mehr, Seit auch Gold elektronisch gehandelt wird und der Verkauf nicht mehr mit umständlichem Transportieren physischer Waren und der langwierigen Suche nach einem Käufer verbunden ist. Ein Analyst der Deka-Bank weist darauf hin, dass sich die Struktur des Marktes in den vergangenen Jahren verändert hat. Gold-Fonds, die Anlegern den Einstieg in physisch besicherte Schuldverschreibungen anbieten, haben in den vergangenen Jahren große Bestände aufgebaut. Diese können „per Knopfdruck“ auch wieder in den Markt gelangen und schnell zu Verkaufsdruck führen, wenn kein Angebot entgegensteht.
Auch Spekulanten könnten das Ende der sei nunmehr 5 Jahren währenden Hausse am Goldmarkt einläuten. Vor allem Hedgefonds könnte gezielt auf eine einsetzende Hausse spekulieren und durch den Verkauf großer Volumina am Terminmarkt die Preise drücken. Sollte sich die Hausse im Nachhinein tatsächlich als Blase herausstellen, wäre das ein geschickter Schachzug: Der Einbruch eines überhitzten Marktes geht oft mit sehr raschen Kursrückgängen einher, an denen sich gut verdienen lässt.
Ob der Goldmarkt fundamental fair bewertet ist bzw. wie weit die aktuelle Bewertung von einem realistischen Wert abweicht, ist unter Experten umstritten. Einige sehen einen Preis von 1000 Dollar je Feinunze als fundamentale Referenz an. So zum Beispiel der Deka-Bank Chefvolkswirt Kater, der im Handelsblatt-Artikel ebenfalls zu Wort kommt.
Inflationsdruck: Experte Riße sieht Gold weiter im Aufwind
Der Goldpreis wird auch in Zukunft steigen. Davon jedenfalls ist der Chefstratege von CMC Markets. Stephan Riße, überzeugt. Er sieht wachsenden Inflationsdruck auf die Weltwirtschaft zukommen und traut dem Edelmetall deshalb noch viel zu.
Riße, der vor allem aus seiner Tätigkeit beim Nachrichtensendet N-TV bekannt ist, sieht einen Grund für die aus seiner Sicht unausweichliche Inflation in den niedrigen Zinsen. Die Industrienationen – allen voran die USA – sind seiner Ansicht nach auf billiges Geld angewiesen. In einem Interview mit der Zeitschrift Börse Online sagte er: „Die USA hängen wie ein Junkie an der Nadel der tiefen Zinsen.“
Riße malt in dem Gespräch ein Szenario, in dem ansteigende Preise auch durch wachsenden Lohndruck aus China unvermeidlich sind. Er führt an, dass die Lohnentwicklung in der VR China lange Zeit der Produktivität hinterhergelaufen sei. Das habe den Inflationsdruck gemindert, weil die Chinesen günstig produzieren und ihre Abnehmer dementsprechend zu niedrigen Preisen importieren konnten. Dies wird sich dem Experten zufolge nun umkehren. Riße sieht steigende Löhne in China und einen aufwertenden Yuan als Gründe für steigende Verbraucherpreise in den Industrienationen.
Riße rechnet mit weiter fallenden Zinsen – auch am langen Ende. Er geht von einer langen Phase mit negativen Realzinsen aus. Die langfristigen Zinsen könnten in Deutschland seiner Ansicht nach auf 1,5 Prozent und in den USA auf unter 3 Prozent sinken. Die jährliche Inflationsfrate sieht er zugleich bei 2 bis 3 Prozent. Die Reaktionen der Notenbanken in einer solchen Situation sind Riße zufolge erst mit deutlicher Verzögerung zu erwarten. Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass negative Realzinsen zur Entschuldung genutzt werden könnten.
Der Goldpreis wird seiner Meinung nach weiter anziehen, wenn dies auch für die Inflation gilt. In den vergangenen Tagen lag der Börsenkommentator, der ein Buch mit dem Titel „Die Inflation kommt“ veröffentlicht hat, mit seiner Einschätzung richtig. Der Goldpreis zog in allen wichtigen Währungen deutlich an und markierte im Euro sogar ein neues Allzeithoch. Am Freitagabend lag der Preis für eine Feinunze Gold in US-Dollar gerechnet ebenfalls nur noch knapp unter seinem historischen Höchststand.
Analyse: Der Silbermarkt hat noch viel Potenzial
Silber ist in diesem Jahr deutlich besser gelaufen als Gold. Besonders in den letzten Monaten konnte der Preis immens zulegen. Kostete eine Feinunze Silber Ende Juli noch rund 17,50 Dollar, mussten in der vergangenen Woche zeitweise mehr als 29,30 Dollar bezahlt werden. Der Preis ist damit in weniger als 4 Monaten um mehr als zwei Drittel gestiegen. Die deutliche Korrektur zum Wochenausklang ist nach Ansicht von Experten nicht der Anfang vom Ende.
Das Interesse der Anleger an Silber wird von den meisten Beobachtern auf die Gründe zurückgeführt, die auch dem Goldmarkt eine Hausse beschert haben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommt in einem Bericht vom Freitag zu dem Schluss, dass die Preisanstiege in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zu geldpolitischen Events standen. An erster Stelle stehen dabei natürlich die Lockerungsmaßnahmen der US-Notenbank.
Die gestiegene Nachfrage nach Silber resultiert somit aus der Sorge vieler Marktteilnehmer vor einer Entwertung des Papiergeldes. Wie die F.A.Z. unter Berufung auf LBBW Commodity Research und die Angaben von Emittenten berichtet, spiegelt sich die Nachfrage in wachsenden Silberbeständen von ETFs bzw. ETCs wieder. Seit Anfang 2008 sind diese demnach von gut 5.000 auf mehr als 20.000 Tonnen angewachsen. Auch die Nachfrage nach Silber-Anlagemünzen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Das legt den Schluss nahe, dass die Aufstockung physischer Bestände (und nicht etwa reine Spekulationen am Terminmarkt) für die Hausse verantwortlich sind.
Eine Korrektur des Marktes, die in den letzten Tagen möglicherweise bereits eingesetzt hat, ist wenig überraschend und kann mit markttechnischen Ursachen erklärt werden. Der Preisanstieg nach dem Ausbruch des Kurses aus einer längeren Seitwärtsbewegung im zweiten Quartal verlief außerordentlich dynamisch. Auch ein Rücksetzer bis in den Bereich von 24 Dollar je Feinunze würde nichts am langfristigen charttechnischen Gesamtbild ändern.
Fundamental betrachtet könnte der Silberpreis langfristig von einem Angebotsdefizit profitieren. Das jedenfalls meint der amerikanische Rohstoff-Analyst David Morgan. Er prognostiziert, dass die industrielle Nachfrage nach Silber bis zum Jahr 2020 um 230 Millionen Feinunzen pro Jahr steigen wird. Er sieht im selben Zeitraum eine Ausweitung des Angebots um 150 Millionen Feinunzen pro Jahr. Die zusätzliche Nachfrage ist seiner Ansicht nach vor allem aus der Wasser- und Nahrungsmittelindustrie sowie aus der Solarbranche zu erwarten.
Experte: Misstrauen in die Politik ursächlich für steigenden Goldpreis
Der Ökonom Marshall Auerback sieht einen der Gründe für den steigenden Goldpreis im Misstrauen der Anleger in die Politik. Das sagte der unter anderem im Dienste von Pimco stehende Experte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seiner Ansicht nach werden wirtschaftliche Probleme im Kern nur auf die lange Bank geschoben und nicht gelöst.
Auerback vertritt die Auffassung, dass die im Regelwerk von Basel III festgelegten Kapitalanforderungen an Banken eigentlich geringer ausfallen als die von Basel II und damit kaum dazu beitragen können, künftige Krisen zu vermeiden. Als Grund nennt er „unkonventionelle Buchungsmethoden“, mit denen Banken den tatsächlichen Wert ihrer Aktiva verschleiern könnten. Diese Möglichkeiten zur Bilanzmanipulation sieht der Ökonom als einen der wesentlichen Gründe für die Krise.
Privatanleger werden Auerback zufolge benachteiligt, weil sie sich regulatorischen Rahmenbedingungen gegenübersehen, die ihren eigenen Interessen zuwiderlaufen. Er geht im FAZ-Interview hart mit der Finanzbranche ins Gericht. Institutionelle Investoren dürften weiter wie in einem Kasino agieren. Ihre eigentliche volkswirtschaftliche Funktion (die Allokation von Kapital auf produktive realwirtschaftliche Bereiche) sieht er dadurch einem fortwährenden Degenerationsprozesse ausgesetzt.
Die Politik scheue sich davor, e „die Banken mit ihren Betrügereien und miesen Verhalten zu konfrontieren“. Der Preisanstieg im Goldmarkt ist Auerback zufolge denn auch nicht auf Deflations- oder Inflationssorgen zurückzuführen. Vielmehr spiegele die Hausse das schwindende Vertrauen der Menschen in die „Problemlösungsfähigkeit der Politik“. Auch die Zweifel an den konventionellen Bewertungsmethoden für Anlagen wie Aktien oder Währungen wachsen dem Experten zufolge. Dies begünstige den Trend hin zur Umschichtung in alternative Anlagen.
Für den Goldpreis sieht der Experte das Ende der Fahnenstange deshalb noch lange nicht erreicht: „Ich denke, der Goldpreis wird noch viel weiter steigen“ sagt der Ökonom im FAZ-Interview. Auerback betont aber auch, dass eine Blasenbildung im Goldmarkt möglich sei. Das gelte auch für andere Rohstoffe. Er geht davon aus, dass für die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten Portfolioüberlegungen bald von größerer Bedeutung sein werden als die realwirtschaftliche Nachfrage. Dadurch werde sich die Entwicklung an den Märkten für Gold und andere Rohstoffe früher oder später von den Verhältnissen der Realwirtschaft abkoppeln.