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Psychologische Momente

Börsenpsychologie: Psychologische Momente an der Börse

Die Entwicklung an den Edelmetallmärkten unterliegt wie auch die an den Aktien- und Rentenmärkten nicht nur dem Einfluss „harter“ fundamentaler Rahmendaten. Mindestens ebenso wichtig sind marktpsychologische Momente.

Gold ist hierfür ein Paradebeispiel: Besonders starke aufwärtsgerichtete Kurstrends sind immer in Phasen zu beobachten, in denen die Zukunftserwartung der Anleger besonders negativ ist. Der Goldpreis reagiert auf Krisen oder Schockereignisse traditionelle mit Zuschlägen, auch wenn derlei Umstände keinerlei Einfluss auf die tatsächliche Nachfrage haben bzw. sie sogar dämpfen (eine Wirtschaftskrise kann z.B. den Konsum von Goldschmuck verringern).

Phantasie ist wichtiger als die Fundamentaldaten

Der Goldpreis konnte sich im Verlauf der Jahre 2005 bis 2010 fast verdreifachen. Zwar stieg im selben Zeitraum die Konsumnachfrage vor allem aus der Schmuckindustrie ebenfalls an. Die Zunahme war allerdings nicht stark genug, um den drastischen Preisaufschlag zu rechtfertigen. Schließlich hatte sich an der Bedeutung und Beschaffenheit des Goldes nichts geändert.

Neben den Ängsten vieler Anleger vor Inflation und Staatsbankrott, die den Preis vor allem in den Jahren 2009 und 2010 trieben, war auch ein Herdenphänomen ursächlich für die Hausse am Goldmarkt. Während das Metall in den 90er Jahren und bis über die Jahrtausendwende hinweg fast in Vergessenheit geraten war, interessierte sich plötzlich eine wachsende Öffentlichkeit für Gold und seine Preisentwicklung.

Die immer stärkere Präsenz in der medialen Berichterstattung war eine wesentliche Triebkraft der Hausse. In einer solchen Situation kommt dann eine weitere Marktkraft zum Tragen: Die Kraft des einmal etablierten Trends kann einen Kurs ungemein weit tragen, auch wenn sich an den Fundamentaldaten nichts ändert.

Im Hinblick auf die Nachrichtenlage und deren Interpretation gilt die Weisheit von Altmeister Andre Kostolany: „Nicht die Nachrichten machen die Kurse, sondern die Kurse machen die Nachrichten“. Im Fall der Goldhausse wurden im Zuge des Kursanstiegs viele Vorzüge des Metalls von den Medien immer wieder dargestellt, die bereits seit Jahrhunderten existieren: Inflationsschutz, Portfoliodiversifikation, Krisenwährung – alle diese Attribute trafen auch vorher auf Gold als Investment zu.

Wie immer an der Börse gilt auch bei Edelmetallen, dass die Phantasie der Anleger oft wichtiger ist als die harten Fakten. Aus dieser jedem Börseninvestment eigenen Charaktereigenschaft erwachsen seit Jahr und Tag Chancen, aber auch Risiken.