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Inflation und Wachstum

Wirtschaftswachstum & Inflationsentwicklung in Bezug auf Edelmetalle

Die wirtschaftliche Entwicklung ist für die Edelmetallmärkte in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Zwei zentrale Größen sind die Wachstumsrate der Wirtschaft und die Inflationsraten in den großen Industrienationen. Beide Werte werden von nationalen und internationalen Behörden und Institutionen sowie von Banken laufend ermittelt, prognostiziert und korrigiert.

Die Wachstumsrate der wichtigen Volkswirtschaften gemessen am BIP ist vor allem aus zwei Gründen wichtig. Zum einen hat sie großen Einfluss auf die Industrienachfrage nach Edelmetallen. Das Wachstum der Gesamtwirtschaft und die Konjunktur der Automobilindustrie z.B. korrelieren deutlich. In einem positiven gesamtwirtschaftlichen Umfeld steigt deshalb die Nachfrage nach Metallen wie Platin, die beim Bau von Katalysatoren zum Einsatz kommen.

Zum anderen steht die konjunkturelle Entwicklung mit der Zinsentwicklung am Anleihemarkt in Verbindung. Typischerweise steigen die Zinsen zum Ende eines Aufschwungs hin deutlich an, nachdem sie in der vorangegangenen Rezession gering waren. Steigende Zinsen sind für Edelmetalle tendenziell negativ, weil Anleger bei Investments in Gold, Silber oder Platin höhere Opportunitätskosten tragen müssen.

Die konjunkturelle Entwicklung kann zudem über die Entwicklung der öffentlichen Finanzen Einfluss auf die Edelmetallmärkte ausüben. Ein starker konjunktureller Aufschwung beispielsweise kann die Einnahmesituation der öffentlichen Hand verbessern und damit mögliche Sorgen vor einem Staatsbankrott zerstreuen. Haben diese Sorgen den Kurs eines Metalls (prädestiniert dafür ist Gold)  weit nach oben getrieben, kann die Konjunktur sich auf diesem Wege dämpfend auswirken.

Inflations- und Stabilitätsängste sind ein Nährboden für Hausse-Phasen

Neben dem Wirtschaftswachstum ist auch die Inflationsentwicklung von größter Bedeutung für die Entwicklung an den Edelmetallmärkten. Eine zentrale Eigenschaft von Gold und Co. ist die Resistenz gegen Inflation. Deshalb fragen Anleger Metalle besonders dann stark nach, wenn sie von deutlich anziehenden Inflationsraten in der Zukunft ausgehen.

Die künftige Inflation lässt sich wie auch andere Entwicklungen nicht sicher vorhersehen. Es gibt jedoch Indikatoren, die auf steigende Teuerungsraten hinweisen. Die Inflationsrate steht grundsätzlich immer im Zusammenhang mit dem Konjunkturzyklus: In Boomphasen mit hoher gesamtwirtschaftlicher Kapazitätsauslastung ist der Preisdruck stets größer als in Rezessionen, in denen die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stagniert oder rückläufig ist.

Unter weitgehend normalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist eine positive konjunkturelle Entwicklung deshalb immer notwendige Bedingung für das Auftreten von Inflation in größerem Umfang. Um Missverständnissen vorzubeugen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass ein gewisses Maß an Inflation fast immer auftritt. Inflation ist streng genommen definiert als Anstieg des Verbraucherpreisindexes.

Relevant für die Entwicklung an den Metallmärkten sind jedoch Erwartungen an die Inflationsraten, die deutlich über dieses normale Maß hinausgehen. Im Euroraum gilt eine jährliche Teuerungsrate von bis zu 2 Prozent als normal – was weit darüber hinausgeht, ist für die Edelmetallmärkte relevant.

Eine weitere Voraussetzung für Inflation in größerem Umfang ist das Vorhandensein von viel Liquidität im Finanzsystem. Gelangt überschüssige Liquidität in den Wirtschaftskreislauf, „verpufft“ sie in Form höherer Preise für Güter und Dienstleistungen. In einer solchen Situation spielt die geldpolitische Ausrichtung der Notenbank eine wichtige Rolle.

Setzt sie stabilitätspolitische Ziele konsequent um, wird sie die Zinsen erhöhen und die Geldmenge im Finanzsystem verringern. Ist die Geldwertstabilität als Ziel in den Hintergrund geraten (z.B. weil auf politischen Druck hin sehr viel großzügigere Inflationsziele akzeptiert werden), muss mit einer länger andauernden inflationären Phase gerechnet werden.