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Fundamentale Analyse

Fundamentalanalyse lernen: Kennzahlen und Berechnung in der Praxis bei Edelmetallen

Die Fundamentalanalyse konzentriert sich auf verschiedene Entwicklungen, denen ein signifikanter Einfluss auf den Edelmetallmarkt unterstellt wird. Die Kurse von Edelmetallen unterliegen vielfältigen Faktoren, die sich im Hinblick auf ihren jeweiligen Einfluss nicht exakt bestimmen lassen. Bei der Analyse geht es vielmehr darum, die fundamentalen Daten zu einem Puzzle zusammenzufügen, das ein aussagekräftiges Bild ergibt.

Eine der wichtigsten Einflussgrößen auf die Preisentwicklung an den Edelmetallmärkten ist die Inflation. Edelmetalle gelten als Schutz gegen Geldentwertung. In der Vergangenheit gab es eine signifikante Korrelation zwischen den Inflationsraten (gemessen an den Verbraucherpreisen) und den Preisentwicklung an den Edelmetallmärkten.

Mindestens genauso wichtig wie die tatsächliche Inflation sind jedoch die Inflationserwartungen der Anleger. Gehen die Marktteilnehmer von deutlich steigenden Preisen aus, kann dies zu verstärkter Nachfrage am Markt und damit zu steigenden Notierungen führen. Insbesondere der Goldmarkt gilt als sensitiv für große Inflationssorgen. Während die tatsächliche Inflation sich einfach anhand der amtlich ermittelten Daten absehen lässt, müssen Fundamentalanalysten bei der Einschätzung der Inflationserwartungen auf spezielle Indikatoren (z.B. Umfragen unter Marktteilnehmern) zurückgreifen oder die Markterwartung aus bestimmten Finanztiteln, wie etwa inflationsindexierten Anleihen, ableiten.

Eine weitere sehr wichtige Einflussgröße am Edelmetallmarkt ist das Zinsniveau. Hierfür sind die so genannten Opportunitätskosten verantwortlich. Als Opportunitätskosten werden die Kosten bezeichnet, die einem Anleger entstehen, wenn er anstatt in sichere verzinsliche Staatsanleihen in unverzinsliche Edelmetalle investiert. Je höher das Zinsniveau am Markt, desto höher sind auch die Opportunitätskosten. Steigende Zinsen wirken sich deshalb tendenziell bärisch auf die Edelmetallmärkte aus. Die Entwicklung an den Anleihemärkten ist für die fundamentale Analyse deshalb ebenso wichtig wie die geldpolitische Ausrichtung der wichtigsten Zentralbanken und fiskalpolitische Entwicklungen.

Auch die wirtschaftliche Entwicklung bzw. die Erwartung der Marktteilnehmer in dieser Hinsicht ist wichtig. Bei anziehender Konjunktur steigt z.B. die Nachfrage nach Metallen aus der Industrie oder der Schmuckherstellung. Die Entwicklung der Weltwirtschaft und alle damit zusammenhängenden Indikatoren (BIP, Auftragseingänge in der Industrie, Stimmungsindikatoren etc.) ist bei der Analyse deshalb ebenfalls von Bedeutung.

Die Fundamentalanalyse ist vergleichsweise komplex. Das wird z.B. daran ersichtlich, dass die vorgenannten Einflussgrößen zueinander in Wechselbeziehungen stehen können. Steigende Inflation, die tendenziell für steigende Edelmetallkurse steht, kann z.B. zu einer restriktiveren Geldpolitik und zu steigenden Zinsen führen, die wiederum bearish sind.

Die Fundamentalanalyse – das Wichtigste im Überblick

  • Steigende Inflationserwartungen gelten als tendenziell bullisher Indikator
  • Steigende Zinsen gelten als tendenziell bearisher Indikator
  • Eine anziehende Konjunktur gilt als tendenziell bullisher Indikator
  • Die einzelnen Indikatoren stehen zueinander in Wechselbeziehungen