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Expansionskurs: EZB hilft Goldpreis nicht


Der Goldmarkt zeigt sich unbeeindruckt von den Taktfrequenz der Euro-Krise. Auf die Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert er ebenso fast gar nicht wie auf die Ergebnisse des EU-Gipfels, die mit Ausnahme von Angela Merkel wohl niemand als „Durchbruch“ auf dem Weg zu einer Stabilitätsunion sieht.

Die Märkte haben eine turbulente Woche hinter sich. Zum Wochenauftakt schockte die Ratingagentur S&P Politik und Marktteilnehmer: Sie senkte den Ausblick für fast alle Euro-Staaten, darunter auch Deutschland und Frankreich und bereitete damit dem Abschied vom „AAA“ den Weg. Zudem stellte die Agentur auch die Bonität des Rettungsschirms EFSF in Frage – letztlich folgerichtig, weil dessen Bonität von den Euro-Staaten abhängt.

Die Europäische Zentralbank zeigte am Donnerstag, wo es lang geht: Trotz einer anhaltend hohen Inflation (3,0 Prozent im Euroraum im November) senkte sie den Leitzins von 1,25 auf 1,00 Prozent. Es handelt sich bereits um die zweite Zinssenkung in der erst seit November andauernden Amtszeit des neuen EZB-Präsidenten Mario Draghi. Deutsche Vertreter im EZB-Rat hatten sich gegen die Zinssenkung ausgesprochen, wurden aber überstimmt.

Tauscht die EZB bald Ramschanleihen gegen Geld?

Die Zinssenkung kam nicht überraschend. Sie wird begleitet von einem Maßnahmenbündel, mit der die EZB der Euro-Krise beikommen möchte. So können sich Geschäftsbanken erstmals für einen Zeitraum von drei Jahren Geld zum Leitzins bei der EZB leihen. Die Zentralbank stellt bei zwei Auktionen Ende Dezember und Ende Februar so viel Geld zur Verfügung, wie die Institute abrufen.

Damit die Banken von diesem Angebot Gebrauch machen können, wurden auch die Anforderungen an Sicherheiten gelockert. Geschäftsbanken müssen Kredite bei der EZB mit Sicherheiten unterlegen. Einst galten nur einwandfreie Staatsanleihen als akzeptabel. Seit der Krise akzeptiert die EZB mit griechischen Staatsanleihen auch hochgradig ausfallgefährdete Papiere als Sicherheit. Am Donnerstag verkündete sie, dass Geschäftsbanken künftig auch ABS-Papiere mit der Bonitätsnote „A“ als Sicherheit hinterlegen können. Bislang war die Bestnote „AAA“ erforderlich.

Angesichts dieser Lockerungsmaßnahmen erscheint es unehrlich, wenn die EZB ihr Tun „ganz in der Tradition der Bundesbank“ sieht. So sprach es Mario Draghi aus. Er bezog sich dabei auf Anleihekäufe der EZB, in denen Draghi einen Verstoß gegen die europäischen Verträge sieht. Die Zentralbank hat allerdings bereist Anleihen im Volumen von mehr als 200 Mrd. Euro aufgekauft. Sie kauft weiter – bis zu 20 Mrd. Euro pro Woche gelten scheinbar als „geringfügig“.

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