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Italien im Sog der Euro-Krise: Gold steigt nur leicht


Der Goldpreis hat auf die abermalige Zuspitzung der Euro-Währungskrise verhalten reagiert. Der Kurs prallte am Dienstag knapp an der Marke von 1800 USD je Feinunze ab, während der Euro zugleich deutlich auf unter 1,36 USD nachgab. Mit dem drohenden Verlust der italienischen Zahlungsfähigkeit wurde das Vertrauen in den Euro aufs Neue erschüttert.

Der von den meisten Beobachtern begrüßte, bislang nur angekündigte Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi konnte den Druck auf italienische Staatsanleihen nicht abmildern. Am Dienstag rentierten zehnjährige Papiere mit 7,4 Prozent und damit so hoch wie noch nie zuvor seit der Einführung des Euros als Buchgeld im Jahr 1999.

Italien braucht den Rettungsschirm

Die EZB war zum Wochenbeginn am Anleihemarkt aktiv und erwarb offenbar auch italienische Titel. Das konnte den Kursverfall aber nicht aufhalten. Ein Grund für den Verkaufsdruck am Anleihemarkt kam von der Anleiheabwicklungsplattform LCC Clearnet. Über die Plattform wickeln Banken Geschäfte ab, bei denen sie sich Geld gegen die Hinterlegung von Anleihen als Sicherheit leihen.

LHC Clearnet erhöhte den Sicherheitsabschlag für italienische Anleihen mit sieben bis zehn Jahren Restlaufzeit von 6,65 auf 11,65 Prozent. Geschäftsbanken erhalten für italienische Anleihen nun weniger Kredit. Das könnte in den nächsten Wochen vor allem italienische Banken, die Staatsanleihen ihres Landes in großem Umfang halten, unter Druck setzen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es sehr wahrscheinlich, dass Italien Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm benötigt. Bis Ende 2012 muss die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone Anleihen im Volumen von 350 Mrd. Euro platzieren. Zum derzeitigen Zinsniveau wäre das ausgesprochen kostspielig: Portugal, Griechenland und Irland brachen auf Rendite-Niveaus um 7 Prozent zusammen und schlüpften unter den Rettungsschirm.

Der Goldmarkt scheint ausgereizt

Der Goldpreis reagiert schon seit längerer Zeit nicht mehr auf Ereignisse des Tagesgeschehens. Obwohl das Risiko gravierender Probleme mit der Währung (Währungsreform, Inflationierung etc.) heute größer oder zumindest offensichtlicher sind als noch im Sommer, konnte der Kurs keine neuen Höhen erreichen.

Dabei ließe das Umfeld einen deutlichen Kursgewinn zu. Die Inflation bleibt relativ hoch, das Zinsniveau ist niedrig bzw. sinkt sogar wieder. Gleichzeitig wachsen die Sorgen vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone oder sogar der EU mit unabsehbaren Folgen für Währung und Wirtschaft.

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