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Euro-Krise: Goldreserven der Bundesbank in Gefahr


Auf dem G-20-Gipfel hat sich eine diplomatische Front für die Verpfändung der Gold- und Währungsreserven der Euro-Notenbanken zur Ausweitung des EFSF-Rettungsfonds gebildet. Die Bundesbank soll mehr als 15 Mrd. Euro ihrer Reserven opfern. Sie lehnt ebenso wie die Bundesregierung ab – zumindest bislang.

Tabubrüche sind in der Euro-Krise nicht neu. Auf eine chronische Überschreitung der Defizitgrenzen folgten die Haftung der Gemeinschaft für Schulden ihrer Mitglieder, Anleihekäufe der EZB, Hilfs- und Rettungsfonds – und nun sollen auch die Reserven der Bundesbank in den Prozess der Währungskrise eingebunden werden.

Die Pläne für eine Verpfändung der Euro-Notenbankreserven wurden auf dem G-20-Gipfel in Cannes offenbar von den USA, Großbritannien und Frankreich vorangetrieben. Demnach sollen die Reserven in Form von Sonderziehungsrechten (dabei handelt es sich um eine Kunstwährung des Internationalen Währungsfonds) an eine Zweckgesellschaft des Rettungsfonds EFSF übertragen werden. Dieser könnte seine Schlagkraft so erhöhen.

In Cannes wurde von einer Größenordnung im Bereich von 60 Mrd. Euro gesprochen, wobei sich diese Zahl auf alle Notenbanken der Euro-Zone bezieht. Gemäß ihrem Anteil von 28 Prozent am Grundkapital der EZB müsste die Deutsche Bundesbank rund 16,8 Mrd. Euro beisteuern.

Keine Investoren für den EFSF

Die Bundesbank wies die Forderungen zurück. Eine Sprecherin betonte, dass allein die Bundesbank über die Reserven verfüge. In der Tat besitzt auch das deutsche Parlament nicht das Recht, auf die Gold- und Währungsreserven zuzugreifen. Die Politik gibt zumindest vor, es nicht auf eine Verpfändung abgesehen zu haben. Regierungssprecher Seibert stellte klar: „Von deutscher Seite ist dieser Vorstoß abgelehnt worden“.

Die Pläne dürften auf Schwierigkeiten bei der Aufstockung des EFSF zurückzuführen sein. Die EU hat die Rettungsfazilität mit einem Teilhaftungsmechanismus ausgestattet, der eine Hebelwirkung ermöglichen soll. Dadurch soll das Volumen des Fonds von 440 Mrd. Euro auf über eine Billion anwachsen. Geplant war, ausländische Investoren mit ins Boot zu holen – darunter z. B. Staatsfonds. Das Interesse scheint sich in Grenzen zu halten, was nicht zuletzt an einer aus Sicht der Investoren unzureichenden Schnittstelle zwischen EFSF und IWF liegt.

Die Bundesbank verfügt über rund 3400 Tonnen Gold, das den größten Anteil der Reserven ausmacht. Die Währungsreserven erreichen insgesamt einen Wert von gut 180 Mrd. Euro.

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