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Aktionärsschützer: Gold riskanter als Aktien


Gold ist begehrt, weil die Märkte von Angst dominiert werden. Im Angesicht der Schuldenkrise vergessen manche Anleger offenbar, dass Edelmetallinvestments mit beträchtlichen Risiken verbunden sind. Experten warnen vor einer Blasenbildung, die viele Anleger teuer zu stehen kommen könnte.

Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitzt (DSW), zeigt sich angesichts der anhaltenden Euphorie um das gelbe Edelmetall skeptisch. „Wer einsteigt, macht sich von den aktuellen politischen Entscheidungen abhängig“. Ein Engagement in Gold könne derzeit riskanter sein als ein Aktien-Investment, mein Tüngler und gibt zu bedenken: „Das ist vielleicht die größte Blase der Welt“.

Einige Experten vergleichen die Situation sogar mit der Kursblase am Neuen Markt zur Jahrtausendwende. Schnigge-Händler Niklas Breckling geht davon aus, dass der Markt längst von Spekulanten dominiert wird. Privatanleger könnten mit einem Einstieg zum aktuellen Kursniveau ähnlichen Schiffbruch erleiden wie Aktionäre einst in der New-Economy-Bubble.

Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW tritt ebenfalls auf die Euphorie-Bremse. „Die Sicherheit mit Gold im Depot oder Safe ist vor allem gefühlt“. Ein Blick in die Vergangenheit belegt tatsächlich, dass Anleger starke Verluste erleiden und Jahrzehnte warten mussten, bis sich der Markt wieder erholt hatte. Wer 1980 investierte, musste 25 Jahre warten, bis die Verluste zumindest nominal wieder aufgeholt waren. Auch derzeit ist der Markt wieder auf einem hohen Niveau – ausgeschlossen sind deutlich nachgebende Notierungen deshalb nicht.

„Finanztest“ hat ermittelt, dass die durchschnittliche jährliche Rendite von Gold in den letzten 30 Jahren mit 3 bis  4 Prozent deutlich unter der des deutschen Rentenmarktes (knapp 7 Prozent) gelegen hat. Das liegt auch daran, dass Gold keine Zinsen. Dividenden oder sonstigen Erträge abwirft. Gewinne sind nur mit Wertsteigerungen zu erzielen, von denen vor allem Kleinanleger vergleichsweise hohe Kosten abziehen müssen.

Anlageexperten weisen schon seit geraumer Zeit darauf hin, dass Gold eher als Versicherung und weniger als Investment interpretiert werden müsse. Eine Versicherung ist ein gutes Geschäft, wenn es zum Schadenfall kommt, kostet aber ansonsten Geld, ohne dass eine Gegenleistung (abgesehen von dem Gefühl der Sicherheit) erbracht wird.

Andererseits befindet sich die europäische Gemeinschaftswährung in der größten Krise ihrer Geschichte. Gleichzeitig leiden fast alle großen Industrienationen unter einer sehr hohen und nahc wie vor steigenden Verschuldung. Parallel dazu verlieren stabilitätsorientierte Instanzen, wie einst die Bundesbank und die heutige EZB, an Einfluss. Ob Gold mehr Chancen oder mehr Risiken beinhaltet, ist deshalb noch lange nicht geklärt.

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