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Märkte paradox: Warum Gold und Silber im Krisenfinale fallen


Die Finanzmärkte haben in den zurückliegenden Tagen ein seltsames Verhalten an den Tag gelegt: Inmitten der sich bedrohlich zuspitzenden Euro-Krise gaben die Preise für Gold und Silber plötzlich deutlich nach. Ein möglicher Erklärungsansatz dafür lautet, dass Investoren in Anbetracht der erwarteten schlechten Nachrichten Positionen auflösen. Das ist Sell on Bad News für Krisenwährungen.

Analysten und Medien zeigten sich in den vergangenen Tagen weitgehend ratlos. Als Gründe für die Kursverluste wurde häufig der Ausstieg großer Investoren genannt. Die hätten sich – so die Argumentation – recht plötzlich aus dem Markt zurückgezogen und damit den Kursrutsch verursacht. Mehr als schwache Indizien  -etwa ein gesunkenes Open Interest am Terminmarkt – gibt es für diese Hypothese aber nicht.

Der Goldpreis hat auf Dollar-Basis in den letzten fünf Handelstagen 10 Prozent seines Wertes verloren. Eine Feinunze kostete am späten Dienstagabend 1628 US-Dollar. In Euro fällt der Verlust der letzten Tage vergleichbar stark aus: An der Abwertung des Euro zum Greenback (für einen Euro werden mittlerweile wieder weniger als 1,36 Dollar bezahlt) liegt es also nicht.

Noch deutlich drastischer als Gold gab Silber im Wert nach. Binnen einer Handelswoche rutschte der Kurs von rund 40 auf nur noch 30 Dollar je Feinunze. Silber ist in dieser Hinsicht bereits „vorbelastet“: Im Frühjahr war der Kurs von 50 auf 35 Dollar gerauscht – ebenfalls binnen weniger Tage. Der Crash am Silbermarkt sollte nicht nur deshalb anders bewertet werden als der beim Gold.

Die Silberhausse verlief anders. Sie setzte später ein und zeigte sich stets volatiler. Im Jahr 2008 etwa gab der Kurs zeitweise um mehr als 50 Prozent nach. Ein stabiler, nachhaltiger Aufwärtstrend sieht anders aus. Erst im letzten Jahr setzte das „Gold des kleinen Mannes“ zu seinem Höhenflug an und stieg von 20 auf 50 Dollar. Ein Blick auf den Chart zeigt dem erfahrenen Chartisten ein Bild, das dem einer Blase ähnelt.

Der Silbermarkt ist möglichweise auch nicht liquide genug. Anders sind die fast absurden Kursstürze kaum zu erklären. Der aktuelle Kursbereich um 30 Dollar ist eine moderate technische Unterstützungszone. Darunter kommt lange nichts: Auch Kurse von 20 Dollar sind bei einer Fortsetzung der Abwärtsbewegung denkbar.

Am Goldmarkt ist zunächst Abwarten angesagt: Auf die starken Kursverluste folgte praktisch keine Gegenreaktion. Erst im Bereich zwischen 1500 und 1600 Dollar findet sich ein signifikanter Unterstützungsbereich. Eine weitere als signifikant einzustufende Unterstützungszone findet sich im Bereich von 1400 Dollar. Spätestens dort sollte eine Gegenbewegung einsetzen. Vom aktuellen Kursniveau sind es bis dahin aber noch 15 Prozent.

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