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Edelmetall-ETFs: Versteckte Risiken beschäftigen die Zentralbank


ETFs auf Gold, Silber und andere Edelmetalle könnten sich zum Risiko für die Stabilität des Finanzsystems entwickeln. Der Finanzstabilitätsrat der Europäischen Zentralbank beobachtet mit Sorge, dass immer mehr ETFs synthetisch repliziert werden. Das daraus resultierende Kontrahentenrisiko ist vielen Privatanlegern unbekannt.

Börsengehandelte Indexfonds haben sich in den vergangenen zehn Jahren zum Liebling der Privatanleger entwickelt. Sie überzeugen durch eine breite Auswahl an Basiswerten, günstige Kosten, fortlaufende Handelbarkeit und  – eigentlich  – auch Transparenz. Das bislang sehr positive Image bekommt aber zunehmend Risse. Nicht zum ersten Mal müssen Anleger bei einem Finanzprodukt feststellen, dass gar nicht drin ist, was draufsteht.

Bezieht sich ein ETF auf den Goldmarkt, muss sich im Fondsvermögen nicht zwingend auch Gold befinden. Es könnte auch irgendetwas anderes sein – zum Beispiel verzinsliche Wertpapiere. Die Fondsgesellschaft sichert Anlegern dennoch die vollständige Partizipation am Goldmarkt zu. Sie bildet diese durch ein Swap-Geschäft mit einer Bank oder einer Versicherung ab. Dabei werden die Renditen der verzinslichen Wertpapiere (bzw. den Vermögensgegenständen, die tatsächlich im Fonds sind) gegen die des Goldmarktes getauscht.

Der Finanzstabilitätsrat der EZB schätzt, dass rund 45 Prozent des europäischen ETF-Marktes aus Fonds mit synthetischer Replikation bestehen. Nicht nur ETFs auf Edelmetalle, sondern auch solche auf Aktien und andere Basiswerte sind betroffen. Die Gründe für die Vorgehensweise sind unterschiedlich. Steuerliche Vorteile sind ebenso möglich wie eine günstigere Kostenstruktur.

Die Problematik besteht im so genannten Kontrahentenrisiko. Der Kontrahent ist der Geschäftspartner, mit dem ein Swap-Geschäft abgeschlossen wird. Oft handelt es sich dabei um die Bank, zu der die Fondsgesellschaft gehört. Kann diese ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, erleiden Anleger Verluste. Da sich im Fonds Vermögenswerte befinden, wäre zwar kein Totalverlust zu befürchten. Dennoch sind unangenehme Überraschungen möglich. Der rechtliche Status des Fonds als Sondervermögen hilft da wenig.

Eine reale Gefahr besteht darin, dass Banken „ihre“ ETFs gezielt mit schwer verkäuflichen Wertpapieren bestücken. Trifft eine solche Fondsstruktur unter ungünstigen Bedingungen auf eine große Anteilsrückgabe, kann es zu Zahlungsschwierigkeiten kommen. Ein weiteres Problem des ETF-Segments besteht nach Einschätzung der EZB im Verleih von Wertpapieren durch Fonds. Damit bessern die Gesellschaften ihre Gewinnmarge auf.

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