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Gold-Blase vor dem Platzen? Mitnichten!


Der Goldpreis hat  seinen Höhenflug vorerst unterbrochen und seit seinem Allzeithoch im Dezember rund 10 Prozent an Wert verloren. Der auffallend starke Pessimismus unter Analysten und Marktteilnehmern spricht ebenso wie einige charttechnische Indizien dafür, dass es sich um eine Korrektur und nicht um eine Trendwende am Goldmarkt handelt.

Anfang Dezember notierte der Goldpreis auf dem nominal höchsten Dollar-Niveau aller Zeiten. Eine Feinunze des gelben Edelmetalls kostete knapp 1424 US-Dollar. Am 01. Februar werden am Markt 1333 Dollar gezahlt.

Eine Korrektur dieses Ausmaßes ist keinesfalls ungewöhnlich, zumal der Goldmarkt zuvor sehr dynamisch nach oben gelaufen war. Auffällig ist allerdings, dass der Goldpreis nicht steigt, obwohl es aufgrund der Nachrichtenlage eigentlich zu erwarten wäre. Zum einen müssten die Meldungen über einen Anstieg der Inflation und die Untätigkeit der Notenbanken in diesem Zusammenhang stimulierend auf den Kurs wirken. Schließlich gilt Gold als Schutz gegen eine Geldentwertung.

Zum anderen kann die Weltöffentlichkeit in diesen Tagen beobachten, wie sich die politische Lage im Nahen Osten Tag für Tag weiter destabilisiert. Ein Flächenbrand in der ölreichen Region mit anhaltenden inneren Unruhen und Konflikten ist alles andere als unwahrscheinlich. Gold als Krisenwährung müsste darauf eigentlich mit Kurssteigerungen reagieren.

Dass der Goldpreis sich nicht so verhält wie erwartet, kann viele Gründe haben. Möglicherweise können die in der Vergangenheit erlernten und heute immer wieder reflexartig vorgetragenen Verhältnisse am Goldmarkt auf die Gegenwart nicht ohne Weiteres übertragen werden.

Das Kalkül vieler Investoren ist nicht auf einen Anstieg der Inflationsrate auf 4 oder 5 Prozent oder innere Unruhen in dem einen oder anderen Schwellenland ausgerichtet. Gold dient vielmehr als langfristiges Substitut für die etablierten Währungen. Mit anderen Worten: Gold dient vielen Investoren als Versicherung für einen großen Kollaps des Finanzsystems, der in den vergangenen 3 Jahren in der Summe deutlich wahrscheinlicher geworden ist.

Solange das versicherte Risiko (der Finanzkollaps) weiter besteht, wird die Versicherung auch nicht gekündigt, d.h. das Gold wird nicht verkauft. Wurde der zurückliegende Aufwärtstrend am Goldmarkt zu einem erheblichen Teil von Anlegern mit diesem Kalkül verursacht, spricht dies eindeutig gegen eine geplatzte Blase.

Zwei weitere Argumente, die in fast allen Märkten gelten, sprechen ebenfalls gegen die Bubble-Theorie. Zum einen wird der vergleichsweise moderate Kursrückgang von starkem Pessimismus begleitet. Das ist im Endstadium einer Blasenbildung (also dem Beginn des Kursverfalls am überhitzten Markt) nicht der Fall. Charakteristisch für das Platzen einer Blase ist, dass die ersten drastischen Kursrückgänge keinerlei Zweifel der Marktteilnehmer nach sich ziehen, sondern ausschließlich als Korrektur interpretiert und als Gelegenheit zum Nachkaufen gesehen werden.

Zum anderen fehlen die typischen chart- und markttechnischen Hinweise, die sonst beim Platzen einer Kursblase zu beobachten sind. Dazu zählen zum Beispiel Kurslücken, aber auch eine insgesamt stärkere Abwärtsdynamik. Eine gewöhnliche Korrektur, der per Definitionem ohne Weiteres ein Drittel des vorangegangenen Aufwärtsimpulses rückgängig machen kann, ist indes wahrscheinlich. Mehr aber auch  nicht.

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