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Papiergeld-Inflation: Kommt ein neuer Goldstandard?


Weltbank-Chef Robert Zoellick hat an den weltweiten Finanzmärkten für eine handfeste Überraschung gesorgt. Mit der Forderung, der Goldpreis solle als Preisreferenz für Währungen herangezogen werden, spielt er auf die Wiedereinführung des Goldstandards an.

Zoellick ließ kurz vor dem G-20-Gipfel in Südkorea verlauten, Gold sollte als „eine Art Referenz“ für die Bewertung von Währungen eingesetzt werden. Seiner Ansicht nach nutzen viele Marktteilnehmer das Edelmetall bereits jetzt als Substitut zu Papierwährungen. Zoellick ließ zwar keinen Zweifel daran, dass eine Wiederauflage des in den 1970er Jahren abgeschafften Goldstandards nach Bretton Woods lange Zeit in Anspruch nehmen könnte. Er forderte jedoch unmissverständlich dazu auf, „jetzt anzufangen“.

Es ist ausgesprochen unüblich, dass der ranghöchste Vertreter der Weltbank sich derart unverblümt für eine so gravierende Änderung am Weltfinanzsystem ausspricht. Zoellick dürfte bei vielen Anlegern Zustimmung finden. Schließlich sorgen sich immer mehr Marktteilnehmer um die Stabilität des Papiergeldes. Zuletzt hatte die US-Notenbank Federal Reserve weitere Maßnahmen zur quantitativen Lockerung angekündigt. Die wichtigste Zentralbank der Welt will bis zur Mitte des kommenden Jahres US-Staatsanleihen im Gegenwert von 600 Mrd. Dollar (unter Umständen sogar noch deutlich mehr) ankaufen.

Der Goldpreis wird seit geraumer Zeit als sicheres Indiz für die Inflationsangst der Anleger eingestuft. Der Preis für eine Feinunze markierte am Dienstag abermals ein Rekordhoch und notierte bei mehr als 1420 Dollar. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise ist der Goldpreis so stark gestiegen wie seit den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr. In diesem Jahr beläuft sich der Wertzuwachs auf fast 30 Prozent.

Ein Goldstandard nach dem im Jahr 1944 beschlossenen Vorbild des Bretton Woods System (der Name ist auf den Ort des Beschlusses zurückzuführen) ist nach Ansicht von Ökonomen in der gegenwärtigen, globalisierten Weltwirtschaft nicht mehr realistisch. Es würde die Abwertung einer Währung unmöglich machen. Volkswirtschaften könnten ihre Wettbewerbsfähigkeit dann nur durch Maßnahmen wie Steuererhöhungen oder Lohnsenkungen stärken.

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