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Hohe Volatilität: Ist Gold noch ein sicherer Hafen?


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Investoren zweifeln am Status des Goldes als sicherer Hafen. In den vergangenen Jahren hat die Volatilität des Edelmetalls drastisch zugenommen. Das ist auf das gestiegene Interesse zurückzuführen. Zu Beginn des letzten Jahrzehnts war Gold nach zwanzig Jahren Baisse ein Investment für Exoten, die nicht an die Unsterblichkeit des neuen Finanz- und Wirtschaftssystems glauben wollten.

Fast 40 Jahre nach Bretton Woods zeigt das Finanzsystem je nach Interpretation irgendetwas zwischen Auflösungserscheinungen und Update-Bedarf. Ausgerechnet jetzt, so nach dem Bankensystem auch Staaten ins Wanken geraten, zeigt der Goldmarkt sich wie eine launische Diva. Nicht nur die Volatilität hat zugenommen. Kurioserweise korreliert Gold stark mit den Aktienmärkten und anderen Assets, die als riskant gelten.

Wahrscheinlich geht die Welt 2012 nicht unter

Im Zuge der Goldhausse waren viele Anleger zu der Einschätzung gelangt, nach einem Kollaps des Systems (wie auch immer dieser aussehen sollte) könnte nur Gold noch etwas wert sein. Immer wieder wurden Parallelen zum deutschen Inflationstrauma von 1923 und zur Zwangshypothek von 1948 gezogen.

Wie auch immer die Krise eskaliert (wenn sie es denn tut), es gibt gute Gründe dafür, dass selbst dann die Welt nicht ganz untergeht. Bei einem ungünstigen Verlauf summieren sich die Schulden des deutschen Staates bald auf 3 Billionen Euro. Das wäre der Fall, wenn die Haftungsrisiken in Verbindung mit der Euro-Krise (Target-Saldo, ESM, EFSF, IWF etc.) in weiten Teilen wirksam würden. Selbst wenn zusätzlich noch eine scharfe Rezession und eine Bankenrestrukturierung folgen, würden die Staatsschulden auf nicht deutlich mehr als 4 Billionen Euro steigen.

Das wären 1,75 Billionen mehr als am Ende des dritten Quartals. Mit einer Währungsreform oder einer Besteuerung von Kapitalvermögen könnte der Staat sich anschließend sanieren. Das Finanzvermögen der deutschen beläuft sich auf etwa 5 Billionen Euro. Der Staat könnte in einem extremen per Gesetz 2 Billionen davon einziehen und seine Schulden auf 2 Billionen reduzieren. Das entspricht einer Entwertung um 40 Prozent. Das ist ausgesprochen viel, aber weitaus weniger als 100 Prozent.

Billiges Geld: Stütze und Bremse zu zugleich

Es ist (und war) deshalb nie ratsam, alles auf die Karte „Weltuntergang“ zu setzen und Gold im Portfolio einen unangemessen hohen Stellenwert einzuräumen. Dennoch bleibt das Edelmetall auf Sicht interessant – schon allein aufgrund des noch immer intakten langfristigen Aufwärtstrends und der zurückliegenden Korrektur.

Auch die Geldpolitik der Notenbanken trägt weiterhin zur Attraktivität von Gold bei. Die EZB wird den Leitzins der Eurozone noch lange Zeit – womöglich bis in Jahr 2014 – konstant halten oder sogar unter die Marke von 1,00 Prozent senken. Gleiches gilt für die Federal Reserve Bank in den USA. Das billige Geld führt zu negativen Realzinsen und macht Sachwerte attraktiv.

Mittel- und langfristig hilft billiges Geld Staaten allerdings auch bei ihrer Entschuldung – wovon Gold nicht profitieren könnte.

Foto von BullionVault

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