News

Gold fällt unter 1600 USD: Korrektur oder Ende der Hausse?


Der Goldpreis hat zum Jahresausklang deutlich nachgegeben: Knapp 1570 US-Dollar kostete eine Feinunze am späten Freitagabend. Gemessen am Jahres- und Allzeithoch im Sommer bei 1920 USD ist das ein Kursrückgang um fast 18 Prozent. Die Krise scheint das Krisenmetall nicht mehr beleben zu können.
Bereits vor dem Erreichen des Allzeithochs hatte sich der Goldmarkt von der Entwicklung der Fundamentaldaten und ihrer Interpretation abgekoppelt. Die zurückliegenden Monate stellten eigentlich ein optimales Umfeld für Gold dar: Die Euro-Schuldenkrise spitzte sich immer weiter zu und erreichte mit Italien einen „dicken Fisch“. Auch Frankreich und Deutschland stehen nicht mehr weit entfernt von der Schusslinie.
Inflationserwartungen gehen nur kurzfristig zurück
Auch im Hinblick auf die Inflation war alles für eine Fortsetzung der Hausse vorbereitet: Die Teuerungsrate im Euroraum verharrte trotz der sich eintrübenden Konjunktur bei 3,00 Prozent. In Deutschland lag sie bezogen auf das Gesamtjahr mit 2,30 Prozent ebenfalls deutlich über der Zielmarke der EZB.
Die Zentralbank zeigt unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi nicht, dass sie ihren Auftrag ernst nimmt und der Geldwertstabilität alle anderen Ziele unterordnet. Vorsorglich wurde der Leitzins von 1,50 auf 1,00 Prozent p.a. gesenkt. Banken können sich zudem für drei Jahre Geld bei der Zentralbank leihen – gegen Sicherheiten, die vor nicht allzu langer Zeit als höchst fragwürdig eingestuft worden wären. Auch die Geldpolitik erklärt also nicht den Rückgang des Goldpreises.
Edelmetallhändler erklären die Aufwertung des US-Dollar zur Ursache des Kursrückgangs, der sich im Dezember mit einem Monatsverlust von 12 Prozent beschleunigt hat. Für Anleger außerhalb der USA wird Gold dadurch teurer. Charttechnisch indiziert der offenbar nachhaltige Verlust der Marke von 1600 USD zunächst ebenfalls keine Trendwende.
Ist die Story vorbei?
Dass die Anspannung an den Finanzmärkten nicht ansatzweise vorüber ist, zeigt ein Blick auf die jüngsten Anleiheauktionen. Die Renditen italienischer Bonds mit zehn Jahren Laufzeit sind wieder an das Niveau von 7,00 Prozent herangerückt, bei dessen Erreichen Irland, Portugal und Griechenland in die Knie gezwungen wurden.
Möglicherweise haben sich die Krisenszenarien einfach abgenutzt und dem Goldmarkt fehlt eine Story. Viele Privathaushalte, die überhaupt in der Lage sind, Gold in größeren Mengen als Krisenvorsorge zu kaufen, dürften dies auch bereits getan haben. Dennoch ist die Hausse keinesfalls sicher vorüber.
Bis zum Kursniveau von 1600 USF stieg der Goldpreis über Jahre relativ kontinuierlich. Danach folgte eine starke Übertreibung nach oben, die mittlerweile zu mehr als 100 Prozent korrigiert wurde. Selbst ein Kursrückgang in den Bereich von 1300 – die Aufwärtsbewegung von 700 auf 1600 wäre dann zu einem Drittel korrigiert – müsste nicht das Ende des Bullenmarktes bedeuten.

Hinterlass einen Kommentar