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Nach EU-Gipfel: Gold nimmt Kurs auf 1600 USD


Der Goldpreis hat am Montag deutlich nachgegeben. Eine Feinunze kostete am späten Abend nur noch 1667 US-Dollar und damit 2,6 Prozent weniger als am Freitag. Immer deutlicher wird, dass Gold sich nicht  mehr wie ein Krisenmetall verhält. Der Kursrückgang fand in einem schwachen Marktumfeld statt, das von Zweifeln und Enttäuschungen über den zurückliegenden EU-Gipfel geprägt war.

Eigentlich stehen die Zeichen für Gold günstig. Die Negativmeldungen im Finanzsektor reißen nicht ab, die Renditen der Euro-Peripherie halten sich auf einem bedrohlich hohen Niveau und praktisch alle relevanten Marktakteure halten die Beschlüsse des EU-Gipfels allenfalls perspektivisch, nicht aber akut für hilfreich. Zeitgleich bereitet die Europäische Zentralbank der Inflation den Weg. Trotz einer anhaltend hohen Inflation im Euroraum hat sie in der vergangenen Woche den Leitzins gesenkt und weitere Lockerungsmaßnahmen in Aussicht gestellt.

Steckt im Gold zu viel prozyklisches Geld?

Dass der Goldmarkt in einem solchen Umfeld mit Abschlägen enttäuscht, mag als Korrektur in einem langanhaltenden Aufwärtstrend interpretiert werden. Eine andere Interpretation ist allerdings nicht abwegig: Möglicherweise ist über den Finanzsektor bereits so viel Geld in das Edelmetall investiert worden, dass sich der Markt genauso prozyklisch verhält wie andere Assets.

In den letzten Jahren hat sich bei vielen institutionellen Investoren jeglicher Couleur ein Schwarz/Weiß-Denken eingestellt: Entweder werden Risiken aufgebaut oder sie werden abgebaut. Gold scheint mittlerweile nicht mehr als antizyklisches Investment, sondern als kurzfristig riskante Position im Portfolio verstanden zu werden. Kurzfristig riskant ist Gold, weil sein Kurs fallen kann und es kein fixes Datum gibt, an dem ein bestimmter Betrag fließt.

Nachdem Gold Jahrzehnte lang ein Schattendasein führte, erlebte es im letzten Jahrzehnt einen regelrechen Hype. Liegt ein Markt einmal im Trend, springen viele Investoren auf, die den Markt an sich (also den Krisen-Charakter des Goldes) gar nicht kennen bzw. sich weitaus weniger dafür interessieren als für Monats- und Quartalsrenditen. Der Anteil dieser Investoren nimmt im Verlauf eines Trends typischerweise zu.

Wenn die Mehrheit der Käufer und Verkäufer des Goldmarktes sich derzeit so verhalten wie die Akteure am Aktienmarkt,  liegt es nahe, dass sich auch der Kurs so verhält. Diejenigen Investoren, die Gold als Krisenwährung gekauft haben und deshalb berechtigterweise daran festhalten, machen den Markt derzeit nicht. Diejenigen, die Gold zwar als Krisenwährung betrachten, den Einstieg aufgrund des hohen Preises aber meiden, machen den Markt ebenfalls nicht.

Zu viel Geld könne den Charakter verderben, heißt es mit Bezug auf Menschen. Möglicherweise trifft das zumindest vorübergehend ausgerechnet auf das Krisenmetall Gold ebenfalls zu.

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